Samstag, 19. November 2016

Preistexte Nachwuchs NRW: Felix Güßfeld

Laudatio zu „Großraum.büro“ von Felix Güßfeld
Das Gedicht „Großraum.büro“ von Felix Güßfeld sticht besonders aufgrund seiner Metaphorik hervor. Anhand des Bildes einer Spinne, die als „Netzwerk-Weberin“ die Kontrolle über ihr Umfeld geschickt auszuüben weiß, gelingt es dem Autor, die Kälte und das Kalkül eines alles kontrollierenden „Machtmenschen“ im Arbeitsalltag eines Großraumbüros darzustellen. Die Machtstrukturen versucht die Spinne als mörderische Fallenstellerin („hungrige Mördergruben“) zu erhalten, indem sie Mitarbeiter und Kollegen durch ihr breit gespanntes „Netz“ einzufangen und „auszusaugen“ versucht.
Das Großraumbüro ist so sehr durch die Dominanz dieser Spinne beherrscht, dass sich die Situation nicht nur als krank oder krankmachend darstellt („Netzwerk-Diabetes“), sondern jegliches Leben und Überleben ersterben lässt („Ein All in dem nichts kreist“). Der Spinne - und somit gleichsam dem „Machtmenschen“ - dient sein Netz als Mechanismus zur Selbsterhaltung, während die darin gefangenen Fliegen zu Atomen „toter Elektronen“ degradiert werden.
Der Text überzeugt in seiner sprachlichen Stringenz und konsequenten Konstruktion auf drei Bildebenen (Großraumbüro, Spinnennetz, All). Diese werden zudem perspektivisch gebrochen („Eine Fliege, frisch geschlüpft“). Felix Güßfeld schafft in in seinem Gedicht einen assoziativen Bildraum, der die Jury von seinem Text überzeugte.



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